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Auf ein Gespräch | Ina Rieck

Ina Rieck ist Beraterin und Dozentin für Nachhaltigkeits Marketing.

Das wichtigste Medium der Welt ist nicht Facebook, sondern Food. Ein schlauer Satz, leider nicht von mir. – Ich lese ihn in einem Magazin, während ich auf Ina Rieck warte. Sie ist meine Gesprächspartnerin heute. Ina Rieck hat mit Medien zu tun. Mit Medien und Marketing.

Als Maulwürfin frage ich mich, ob das was Gutes ist. Für Unternehmen bestimmt. Aber braucht das auch die Welt? Ich werde der Sache mal unauffällig auf den Grund gehen.

Meine Lieblingsspeise sind Regenwürmer. Frau Rieck, was essen Sie am liebsten?

| Ina Rieck | Vor einem Jahr habe ich die vegane Küche entdeckt. Mein Favorit zur Zeit ist Kürbis aus dem Backofen. Dazu schmeckt selbstgemachtes Tomaten-Ketchup mit extra viel Curry.

Womit verdienen Sie sich Ihre Tomaten und Kürbisse?

| IR | Ich arbeite als Beraterin für Nachhaltigkeits-Marketing in Berlin. Meine Kunden sind Unternehmen, die ihre Öffentlichkeitsarbeit oder Marketing neu ausrichten wollen. Sie unterstütze ich mit strategischer Beratung. Für Firmen, die bereits ein klares Konzept haben, biete ich Einzelleistungen, wie zum Beispiel ein Storyboard für die neue Website oder ein Redaktionsplan für die Facebook-Fanpage. Oft werde ich auch als Texterin angefragt.

Ist es das, was die Welt braucht?

| IR | Um die Rettung des Planeten führt kein Weg vorbei, weil uns derzeit nur einer zur Verfügung steht. Jeder allein kann die Welt sicherlich nicht ändern. Aber jeder kann seinen Teil dazu beitragen. Sowohl im Privaten als auch im Beruflichen gibt es Möglichkeiten. Ich arbeite wissenschaftlich zu dem Thema – salopp formuliert – „Der Beitrag von Werbung zur Rettung der Welt“.

Wie?! Werbung hilft, die Welt zu retten?

| IR | Manchmal schon, ja. Es kommt darauf an, wie Werbung eingesetzt wird. Natürlich verführt sie Menschen zu sinnlosen Dingen. Ein Beispiel sind sperrige, spritfressende SUVs in der Stadt. Rational ist das nicht, und trotzdem: Manche finden’s klasse. – Diese Verführungs- und Wirkungsmacht von Werbung kann aber genauso positiv eingesetzt werden. Marketing kann die Distanz zwischen Wissen und Handeln verringern und Verbraucher auf vielfältigste Weise für bewussten Konsum motivieren. Und damit meine ich mehr als „das Richtige“ zu kaufen. Appellative Kampagnen greifen meiner Meinung nach noch zu kurz und verstellen den Blick auf die dahinter liegenden Fragen.

Sie glauben also, dass Marketer den Weg „vom Wissen zum Handeln“ kennen?

| IR | Zumindest ist Marketing im Besitz von wichtigem Handwerkzeug. Ein Beispiel: Es ist bekannt, unter welchen unsozialen Bedingungen ein Turnschuh hergestellt wird, gekauft wird er aber trotzdem. Denn Wissen über Misstände führt nicht automatisch zum veränderten Handeln. Ein Weg dahin führt über Emotionen. Und für Emotionen sind Marketer die Experten. Bisher ist dieses Potential noch weitgehend ungenutzt. Ich bin aber davon überzeugt, dass schon bald immer mehr Unternehmen beginnen werden, Marketing anders zu denken. Die einen als Reaktion auf die veränderten Wünsche der Verbraucher. Andere aus Überzeugung, dass ein Wandel stattfinden muss, weil uns sonst die Erde um die Ohren fliegt.

Marketing anders denken – hört sich gut an. Wie sieht das in der Praxis aus?

| IR | Bleiben wir bei den Turnschuhen: Vielleicht ist es irgendwann Mainstream, nicht das allerneueste Modell zu tragen. Je älter die Turnschuhe, desto cooler der Träger. – Es gibt bereits Unternehmen, die ihre Kunden auffordern, weniger Neues zu kaufen und stattdessen kaputte Sachen zur Reparatur zu bringen.  „Don’t buy this jacket.“  Mit diesem Slogan wirbt zum Beispiel die Outdoor-Marke Patagonia. Dieses Beispiel zeigt: Marketing muss nicht auf rein ökonomische Ziele reduziert sein, sondern kann beim Umdenken für eine nachhaltige Welt wichtige Unterstützung leisten.

Was würden Sie tun, um die Welt jetzt sofort einbisschen besser zu machen?

| IR| Das Verhältnis zwischen Palästinensern und Israel wie einen Film zurück auf Anfang setzen, das würde ich tun. Einfach die Reset-Taste drücken, als hätte es in der Region Teilung und Kriege nicht gegeben. Ohnmacht, Schmerz, Perspektivlosigkeit, Unrecht gäbe es nicht, und eine Verständigung auf Augenhöhe wird möglich. – Ende der 1990er Jahre habe ich im Gazastreifen gearbeitet. Damals lag für kurze Zeit ein Hauch der Hoffnung in der Luft.

Frau Rieck, schenken Sie mir zum Schluss einen schönen Satz?

| IR | Ein Satz aus Erich Kästners Roman „Das fliegende Klassenzimmer“: Für allen Unfug, der in der Welt geschieht, sind nicht nur die verantwortlich, die ihn begehen, sondern auch die, die ihn zulassen.

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