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Auf ein Gespräch | Dr. Alexandra Hildebrandt

Dr. Alexandra Hildebrandt ist Nachhaltigkeitsexpertin.

Ich könnte jetzt behaupten, auf dem Foto sehen Sie Dr. Alexandra Hildebrandt zusammen mit meinen Auslandskorrespondenten Herrn Bär. Doch die Wahrheit ist: Das ist nicht Herr Bär. Herr Bär besitzt keinen grünen Schal und ist außerdem im Urlaub. Tatsächlich habe ich das Interview mit Alexandra Hildebrandt selbst geführt. Ganz virtuell, zwischen Berlin und Nürnberg. Ein Kommunikationsweg, der zu der aktiven Bloggerin passt. Alexandra Hildebrandt ist Publizistin, Hochschuldozentin, Herausgeberin und Mitinitiatorin der Initiative www.gesichter-der-nachhaltigkeit.de. Außerdem bloggt sie regelmäßig für die Huffington Post. Und sie ist Co-Publisherin der Zeitschrift Revue. Magazine for the Next Society.

Foto: Ingo Boddenberg

Frau Dr. Hildebrandt, Sie haben beruflich viel erlebt und mit Arcandor/Karstadt und dem DFB einflussreiche Stationen hinter sich gelassen. Was machen Sie heute?

| Alexandra Hildebrandt  | Heute setze ich mit Menschen, die eine ähnliche Haltung und Sicht aufs Leben haben wie ich, Ideen und Projekte einfach selbst um. Ich habe gelernt, dass dies keine Frage der Kostenstelle und der Funktion ist, dass alles realisiert werden kann, wenn wir unserer Idee folgen, aber auch dass wir misstrauisch sein müssen, wenn sich jemand nur über seine Funktion definiert, dass es wichtig ist, sich über eine Aufgabe zu definieren – und wenn sie wegbricht, der Sinn des eigenen Tuns erhalten bleibt. Das gibt Kraft, um immer wieder zu neuen Wegen aufzubrechen und weiterzumachen. – Ich tue das, was ich am besten kann mit dem, was ich habe – dort, wo ich gerade bin.

Woher nehmen Sie die Energie für Ihre engagierte Arbeit?

| AH | Ich lebe nach der Idee, dass das Leben einen „Mehrwert“ hat und wir dieser Welt etwas hinzufügen (aber nicht zufügen) sollten. Ich kann heute auf eine sehr erfüllende Weise verschiedene Stufen des eigenen Werdegangs verbinden ohne einzelne zu überspringen. Alles zeigt sich rückblickend in einem logischen größeren Zusammenhang: das Studium der Literaturwissenschaft und Psychologie, dann die Konzernerfahrungen, das unmittelbare Erleben der größten Insolvenz der deutschen Wirtschaftsgeschichte, das Zerfallen alter Gewissheiten, die Erfahrungen beim DFB.

Sie bezeichnen sich als Nachhaltigkeitsexpertin und Wirtschaftspsychologin. Was machen Sie da genau?

| AH | Ich bin spezialisiert auf die Positionierung nachhaltiger Unternehmen und Organisationen, ihrer Leistungen, Produkte und ihrer Kommunikation. Dabei stehen vor allem strategische Prozesse im Vordergrund. Parallel entstehen dazu kontinuierlich Publikationen, um das zu erhalten und zu kommunizieren, was zeitlos und einem interessierten Leserkreis von Nutzen ist. So entstand nach der Arcandor-Zeit zusammen mit Hauke Schwiezer das Buch „Gesichter der Nachhaltigkeit“, zu dem es auch eine nicht-kommerzielle Website gibt, die ehrenamtlich betrieben wird, nach der DFB-Zeit der SpringerGabler-Herausgeberband „CSR und Sportmanagement“ und aktuell gemeinsam mit dem Unternehmer Werner Landhäußer der Folgeband „CSR und Energiewirtschaft“. – Es ist mir wichtig, das eigene Handeln auch in einer bleibenden Form sichtbar zu machen, die vielen Interessierten zugutekommt. Zudem unterstützte ich den Deutschen Industrie- und Handelskammertag bei der Konzeption und Durchführung des Zertifikatslehrgangs „CSR-Manager (IHK)“, den ich nach wie vor als Dozentin begleite.

Ihre Einschätzung zum „Ist-Stand der Welt“, bitte.

| AH | Der Ist-Stand der Welt findet sich bereits in Stefan Zweigs letztem Buch „Die Welt von Gestern“, das postum 1942 erschien. Es ist hochaktuell und beschreibt, wie die neue Welt die alte verschlingt und damit auch das, was den europäischen Geist ausmachte. Es ist kein Zufall, dass Bücher wie „1913″ von Florian Illies oder „Ostende“ von Volker Weidermann heute Bestseller sind, denn die Autoren haben die Welt von gestern verstanden. Sie mit Blick auf die Gegenwart zu deuten ist unsere Aufgabe.

Was muss noch passieren, und was müssen die Menschen tun, um den Planeten zu retten?

| AH | Die wichtigen Nachhaltigkeitsthemen und Entwicklungen finden sich zusammengefasst bei Elon Musk, dem Chef von Tesla und SpaceX. Auch wenn seine neue Biographie befremdliche private Seiten zeigt, so sind aktuelle Probleme und Lösungen im Kleinen und im Großen hier hervorragend dargestellt.

Wo legen Sie den Schwerpunkt in Ihrem Engagement für Nachhaltigkeit?

| AH | Die Kommunikation von Nachhaltigkeitsthemen steht im Mittelpunkt meiner Arbeit – hier braucht es verschiedene Ansätze, um entsprechend reagieren zu können. Print ist zwar beständiger, braucht aber mehr Vorlaufzeiten. Das regelmäßige Bloggen in der Huffington Post ist ein wichtiger Teil meines Lebens geworden. Es macht mir Freude, bislang ungenutztes und unvernetztes Wissen aus unterschiedlichsten Wissens- und Lebensbereichen hier zusammenzuführen und Fachdisziplinen zu überschreiten.

Meine Plattform möchte ich auch dafür nutzen, Menschen vorzustellen, die sich in keinen bezahlten Sonderbeilagen namhafter Printmedien finden. Das können sich nämlich nur Konzerne mit Nachhaltigkeitsabteilungen und PR-Budgets leisten. Das sieht man den Texten in der Regel auch an, ja, sie tragen sogar letztlich dazu bei, dass Nachhaltigkeitsthemen nicht gern gelesen werden, weil sie der „Bezahl- und Werbesprache“ entsprechen. Dann doch lieber ehrlich und kostenlos. Und mit echten Geschichten, von denen sich lernen lässt, die etwas bewegen, Themen verständlich und lebensnah vermitteln. Überall gibt es viele positive Beispiele.

Die Frage von Arianna Huffington, wie man das stärker ins Licht der Öffentlichkeit rücken kann, habe ich gern aufgenommen. Denn ich möchte dazu beitragen, „diese guten Taten zu stärken und zu vervielfachen, bis die kritische Masse erreicht ist“ und Menschen ermutigen und inspirieren, sich mit der Vielfalt des komplexen Themas Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen.

Was würden Sie tun, um die Welt jetzt sofort ein bisschen besser zu machen?

| AH | Das tue ich schon – ganz nach der Devise „Fange klein an und mach es gut!“ Erfolg, der in den vergangenen Jahrzehnten vor allem für Größe stand, hat für mich einen überschaubaren Rahmen, der durch gemeinsame Werte, Neugier, Offenheit, Vertrauen und Teilhabe zusammengehalten wird. Ich nutze die Sehnsucht nach Intimität, nach Nischen in unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen für die eigene Arbeit.

Der Ansatz im Kleinen ist mir sehr wichtig, auch muss es nicht von Anfang an einen Plan oder ein Konzept geben. Oft entstehen gute Dinge, wenn man schon auf dem Weg ist. Mit der Selbstorganisation kleinerer Einheiten werden sich beispielsweise auch völlig neue Veranstaltungsformate im Nachhaltigkeitsbereich entwickeln, die wie die Burgthanner Dialoge Perspektiven zeigen, Freundschaft als eine der höchsten Formen von Gemeinschaft fördern und Orientierung in einer unübersichtlichen Zeit geben. Ganz nah.

Das klingt schön. Schenken Sie mir zum Schluss einen weiteren so energievollen Gedanken?

| AH |  Von Anita Roddick: „Lasst euch nie einreden, dass es nicht die Aufgabe des Business sei, die großen Fragen der Menschheit anzugehen. Denn das und nichts anderes ist seine Aufgabe.“

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